88 Tempel · 1.200 Jahre · 4 Präfekturen · 1.150 km

Der Shikoku-Pilgerweg zu den 88 Tempeln – auf Pilgerreise in Japan

Nicht das Ziel zu erreichen ist das Wichtigste, sondern der Weg selbst. Die Warmherzigkeit der Menschen, die du triffst und die Schönheit der Natur auf Shikoku werden deinen Pilgerweg bestens begleiten.
(aus: „Shikoku Japan 88 Route Guide 2020“)

Der Pilgerweg

Der Pilgerweg führt zu 88 buddhistischen Tempeln, die über die gesamte Insel verteilt sind. Einige der 88 Tempel liegen direkt am Meer oder einsam in den Bergen auf bis zu 900 m Meereshöhe. Viele mitten in den Dörfern und Städten Shikokus. Der Weg verläuft durch alle vier Präfekturen der Insel und streift dabei 20 Bangai-Tempel. Diese sind historisch mit dem Pilgerweg verbunden, zählen aber nicht zu den 88 Haupttempeln.

Traditionell legten die Pilger die 1.150 km zu Fuß zurück. Heute machen das nur nur noch ein bis zwei Prozent der Pilger. Die Mehrzahl nutzt moderne Verkehrsmittel. Bus, Auto, Zug, Motorrad oder auch das Fahrrad.

Die meisten Pilger beginnen ihre Wanderung auf Shikoku beim Tempel mit der Nummer 1 „Ryōzenji“ in der Präfektur Tokushima. Besuchen dann die weiteren Tempel in den Präfekturen Kōchi und Ehime in aufsteigender Reihenfolge. Und enden beim Tempel 88 „Ōkuboji“ in Kagawa, bzw. gehen von dort weiter zu Tempel 1 um den Kreis zu schließen.
Den Pilgern steht es aber frei an jedem beliebigen der 88 Tempel zu beginnen. Pilger, die auf Shikoku wohnen, beginnen ihre Reise in der Regel bei ihrem Heimattempel.
Viele Menschen gehen die Pilgerwanderung mit mehreren Unterbrechungen, über längere Zeiträume verteilt.

Die Gründe, weshalb Pilger die Unwägbarkeiten und Mühen dieser langen Reise auf sich nehmen, sind sehr verschieden.
In früheren Zeiten sind die Menschen aus religiösen Gründen nach Shikoku gereist. Aber auch um dem Alltag zu entfliehen und um Neues zu erleben.

Heute noch pilgern viele Menschen aus genau diesen Gründen.
Und um Menschen, Sitten und Gebräuche und die japanische Kultur kennen zu lernen. Zum Gedenken an verstorbene Familienmitglieder oder Freunde. Aus Interesse am Wandern, an der Bewegung im Freien. Zur Stärkung von Körper und Geist oder um die vielseitige und faszinierende Natur Shikokus zu genießen.

Karte und Streckenprofil – Shikoku-Pilgerweg


Quelle Übersichtskarte
Quelle Streckenprofil
 

Shikoku   四国  (vier Länder)

„Shi“ heißt „vier“ und „koku“ bedeutet „Provinz“ oder „Land“ .
Shikoku war bereits in früheren Zeiten in vier Provinzen (vier Länder) aufgeteilt. Deren Grenzen haben denen der heutigen Präfekturen entsprochen.

Shikoku ist die kleinste der vier Hauptinseln Japans. Mit etwa vier Millionen Einwohnern, einer Erstreckung von bis zu 250 km in west-östlicher Richtung und zwischen 40 und 150 km in nord-südlicher. Fläche (18.300 km²) und Einwohnerzahl entsprechen der des Bundeslandes Sachsen.
Die größeren Städte finden sich fast alle im Norden der Insel. Die einzige größere Stadt im Süden ist Kōchi. Ansonsten ist Shikoku sehr ländlich geprägt.
Im Norden getrennt von der Hauptinsel Honshu durch die Seto-Inlandssee. An der Südküste der Pazifik.

PräfekturHistorische
Provinz
Bevölkerung
(ca.)
Präfektur-
Hauptstadt
Bevölkerung
(ca.)
TempelPilgerweg
Tokushima (徳島県)Awa730.000Tokushima260.000T1 - T23; T66165 km
Kōchi (高知県) Tosa700.000Kōchi330.000T24 - T39415 km
Ehime (愛媛県)Iyo1.350.000Matsuyama510.000T40 - T65390 km
Kagawa (香川県)Sanuki960.000Takamatsu420.000T67 - T88175 km

 

Verschiedene Arten des Pilgerns

  • Jun-uchi
    Pilgern im Uhrzeigersinn und Besuch der Tempel in aufsteigender Reihenfolge.
    Speziell bei einer ersten Pilgerwanderung auf Shikoku ist diese Art zu Pilgern sehr zu empfehlen. In dieser Richtung ist der Weg bestens ausgeschildert. Ein aufmerksamer Wanderer wird sich so nur selten verlaufen.
  • Gyaku-uchi
    Pilgern gegen den Uhrzeigersinn und Besuch der Tempel in absteigender Reihenfolge.
    In dieser Richtung ist es mühsam und schwierig die richtigen Wege zu finden. Die Ausschilderung der Wege ist sehr eingeschränkt.
  • Tōshi-uchi
    Die ganze Pilgerwanderung ohne Unterbrechung gehen.
    Der traditionelle Weg.
  • Kugiri-uchi
    Die Pilgerwanderung in Teilen gehen. Jedes Wochenende, jeden Jahresurlaub – einen Teil wandern.
    Die Pilger setzen nach einer Unterbrechung ihre Wanderung dort fort wo sie beim letzten Mal beendet wurde. Für die Anreise zu den Startpunkten und für die Rückreise vom Endpunkt werden meist öffentliche Verkehrsmittel benutzt.
  • Kechigan
    Alle 88 Tempel wurden besucht. Die Reihenfolge, in welcher die Tempel besucht wurden ist dabei nicht wichtig. Der 88. Tempel, den du besuchst ist dein „Kechigan Tempel“. Das kann der Tempel mit der Nummer 88 sein, aber auch jeder andere Tempel.
    Eine andere Auslegung besagt, dass Kechigan erreicht ist, wenn alle 88 Tempel besucht wurden. Und die Rückkehr zum Tempel, an dem die Pilgerwanderung begonnen wurde erfolgt ist. Der „Kreis“ ist dann geschlossen.
    In beiden Fällen ist es üblich weiter zum Kōya-san zu reisen. Und Kūkai von der erfolgreichen Pilgerreise zu berichten.
 

Kūkai   空海

Kūkai, posthum Kōbō Daishi (774—835) der Begründer des Shingon-Buddhismus in Japan
Kūkai (774—835)

Kūkai 空海 ist der Begründer des Shingon-Buddhismus in Japan. Es wird angenommen, dass Kūkai, posthum Kōbō Daishi (774—835) an einigen der Orte auf Shikoku sich in asketischem Training geübt hat. Die Verehrung Kūkais spielt eine wesentliche Rolle für die Pilger.

Dōgyō Ninin   同行 二人

„Zwei auf dem gleichen Weg“. Ein Pilger geht den Weg nie alleine. Er wird immer von Kūkai begleitet und bei Schwierigkeiten unterstützt.
„Dōgyō Ninin   同行 二人“ wird dir täglich auf deiner Wanderung begegnen. Auf Wegweisern und Schildern, auf deiner Pilgerausstattung und an Tempeln.
 

Kōya-san

Viele der Pilger besuchen vor Beginn und Ende ihrer Pilgerwanderung das Kloster Kōya-san in der Präfektur Wakayama auf der japanischen Hauptinsel, das von Kūkai gegründet wurde und Hauptquartier der buddhistischen Shingon-Schule ist.